Liebes Leben, jetzt reicht es aber wirklich! Oder: Gib Dich niemals auf!

Das Leben, wie es mit einem so kickt. Wir kennen das alle. Gerade in den 2 Jahren meiner Schmerzerkrankung war jede noch dazu kommende Herausforderung einfach zuviel.

Auf dem Konto herrscht Ebbe. Die Situation im Job wird schwieriger und schwieriger. Ein mir herzensnaher Freund stirbt. Das zieht mir den Boden unter den Füßen weg. Feste Größen in meinem Leben lösen sich in Luft auf. Träume zerplatzen. Hoffnungen schwinden.

Mir wurde das Prinzip der Vergänglichkeit schmerzlich bewusst. Dieser Seelenschmerz kam zum körperlichen Schmerz noch dazu. Danke liebes Leben, es reicht. Das habe ich in allen denkbaren Stimmungslagen dem Leben verklickert. Traurig, verzweifelt, wütend.

Was ich aber auch begriffen habe in dieser Zeit:

Gerade diese Vergänglichkeit fordert mich dazu auf, nicht aufzugeben, so schwer die Prüfungen auch sein mögen. Wie oft fällt ein kleines Kind hin, bis es laufen kann? Würde es nach den ersten gescheiterten Versuchen aufgeben? Nein. Da ist eine Kraft in diesem kleinen Menschen, die ihn weiter treibt. Es schaffen wollen. Neugier auf das Leben. Also stecke auch ich den Kopf nicht in den Sand und bleibe nicht am Boden. So schwer es gerade auch ist: Nur wenn ich wieder aufstehe, kann mein Leben weitergehen. Jede erlebte Niederlage meint nicht mich persönlich. Da sitzt kein Gott oben auf der Wolke, der sein spezielles Claudi-Worstcase-Szenario im Päckchen hat und sich schmunzelnd überlegt, womit plage ich sie denn heute? Die Niederlagen, die ich erfahre, erfahren andere Menschen auch – ich bin nicht allein damit. Ich bin trotz meines gefühlten Scheiterns ein wertvoller und einzigartiger Mensch. Sicher mit Ecken und Kanten und mancher „Macke“, aber auch mit besonderen Fähigkeiten. Das lasse ich mir durch erlebte Niederlagen und Schmerzen nicht zuschütten. Und falls doch, grabe ich diese wertvollen Schätze immer wieder aus. Versprochen.

Natürlich habe ich nicht alles in der Hand. Dieses die wertvollen Schätze immer wieder ausgraben meint auch kein stures Anrennen gegen das Schicksal und die Hürden, die es ab und an bereit hält.Es meint für mich: Ich hinterfrage meine Handlungen, meine Vorstellungen – gerade in den Situationen, die mich scheitern lassen. Manchmal sehr erwachsen, manchmal aber auch maulend und trotzig mit dem Fuß aufstampfend – Claudi, 3 Jahre alt. Okay, vielleicht habe ich mich geirrt. Was heißt Enttäuschung? Ich wurde ENT-täuscht. Eine Täuschung wurde enttarnt und nun sehe ich klar. Das ist oft schmerzlich, aber auch Klarheit und Wahrheit bringend. Ein Problem heißt PRO-blem, weil es – auch wenn ich es nicht gleich erkenne – unterm Strich für etwas gut ist.  Mich durch die Herausforderungen, die es mir stellt, weiter bringt. Mir neue Wege aufzeigt (oft solche Wege, vor denen ich mich schon längere Zeit gedrückt habe), die sich – wenn auch nicht immer gleich und sofort – dann doch als richtig und gut erweisen, mir neue Blickwinkel gibt und oft auch die Begegnungen mit Menschen schenkt, die ich ohne dieses PRO-blem nicht kennengelernt hätte.

Schwierige Situationen sind für mich oft Situationen, die mir große Klarheit bringen. Ich erkenne, was für mich in meinem Leben wirklich zählt und was „nettes Beiwerk“ ist. Wer hält zu mir, auch wenn es gerade hart und unbequem ist? Es zeigen sich die „Schönwetterbekanntschaften“, die bei der ersten Wolke am Freundschaftshimmel weg sind – und tschüss. Die lasse ich auch nicht mehr in mein Leben. Was zählt, sind meine Freunde, die zu mir halten. Die mir den Rücken stärken auch gegen die Lästerer und Moralisten, die mit dem Finger auf mich zeigen und triumphieren, weil ich am Boden liege – und dann auch noch nachtreten.

Was mir hilft, ist das Wissen, dass der Boden, auf dem ich liege, mich trägt. Ich rapple mich wieder auf, schaue in den Spiegel und gehe erhobenen Hauptes den nächsten Schritt.

Nur Prinzessinnen rücken ihr Krönchen zurecht.
Königinnen ziehen ihr Schwert und kämpfen.

(Der geneigte männliche Leser möge dies bitte umformulieren: Prinz -> König, das ändert ja nichts an den Fakten!)

Ich kann nicht verhindern, dass durch meinen erlebten Schmerz Narben bleiben. Ich kann aber verhindern, mir das Leben selbst schwerer zu machen, weil ich diese meine Narben ablehne. Ich nehme sie an, denn sie sind ein Teil von mir und machen mich zu dem, was ich bin. Sie schmälern meine Würde nicht, sie zeichnen sie aus.

„Vielleicht besteht die einzige Würde des Menschen in seiner Fähigkeit, sich achten zu können.“

(George Santayana)

Gehen wir mit gutem Beispiel voran und stärken damit auch die Menschen, die unsere Unterstützung brauchen. Unsere Erfahrungen und Fähigkeiten machen uns einzigartig. Verleihen wir unserer Einzigartigkeit Ausdruck und tragen sie in die Welt. Das macht uns reich und die Welt heller.

Gib Dich niemals auf.
Sei neugierig. Mutig. Überrascht.

 

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